Der folgende Beitrag wurde vom Institut für Fußbodentechnik erarbeitet und uns zur Verfügung gestellt.


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Offene Nähte bei homogenen PVC – Bodenbelägen - oder: Wie gut sind thermische Verschweißung

Homogene PVC – Bodenbeläge werden in aller Regel vollflächig geklebt und anschließend – nach Aushärtung des Klebstoffs – thermisch verschweißt.

Im Rahmen der Gutachtertätigkeit werden die Sachverständigen der IFF – Gutachter - Sozietät häufig beauftragt, PVC – Bodenbelagebenen in unterschiedlichen Projekten (Krankenhäuser, Arztpraxen, Schulen etc.) zu überprüfen, da es während der laufenden Nutzung zu Fugenöffnungen und Flankenabrissen der PVC – Schweißschnur vom Bodenbelag kommt.

Insbesondere in medizinischen Einrichtungen werden dann die notwendigen Anforderungen an die Hygiene und Krankenhausprophylaxe nicht mehr erfüllt!
Foto 1 zeigt einen Abriss mittig in der PVC – Schweißschnur:

Foto 2 zeigt einen Flankenabriss und in diesem Bereich eine „Fehlfräsung“:

PVC – Beläge können schrumpfen – ein alter Hut?

PVC – Bodenbeläge gibt es seit weit über 50 Jahren, und Maßänderungen (Schrumpf) sind genauso lange bekannt und ein Thema.

Für diese negativen Sachverhalte gibt es << je nach Betrachtungsweise >> eine Vielzahl von Ursachen:

Weichmacherwanderungen und Migrationen
Maßänderungsverhalten nach EN 649 / EN 434
Einfluss von Reinigungs- und Desinfektionsmittel
Bauphysikalisch Einflüsse (Feuchtigkeit im Untergrund etc.)
anwendungstechnische Problemstellungen bzw. handwerkliche
Fehlleistungen ….. um nur einige zu nennen…!

Doch in diesem Beitrag geht es dem Verfasser weniger um die – zugegebenermaßen nicht immer einfach festzustellende – Ursache für den Schrumpf, sondern vielmehr um die viel diskutierte Frage:

Haben thermische Verschweißungen hierauf Einfluss?

An dieser Stelle zunächst ein Hinweis auf die DIN EN 649 „Homogene und heterogene Polyvinylchlorid – Bodenbeläge“

Spezifikation – Tabelle 1 : Allgemeine Anforderungen

In dieser Tabelle 1 ist zum Thema Maßänderungen folgendes aufgeführt:

Die DIN EN 649 macht also einen Unterschied zwischen verschweißten und unverschweißten PVC Bodenbelägen in Platten.

0,25 % bedeuten hierbei 2,5 mm auf einen Meter Bodenbelag.

0,40 % bedeuten sogar 4,0 mm auf einen Meter Bodenbelag.

Die DIN EN 649 unterscheidet zwischen verschweißter und unverschweißter PVC – Plattenware!



Hierbei ist es notwendig, zu berücksichtigen, dass es sich bei der Prüfnorm EN 434 „Bestimmung der Maßänderung und Schüsselung nach Wärmeeinwirkung“ um eine reine Werkstoffprüfnorm handelt, bei der der Bodenbelag im ungeklebten Zustand geprüft wird.

Jedoch weisen PVC - Bodenbeläge in Grenzbereichen – selbst wenn sie sich im Rahmen der zulässigen Toleranzen bewegen, diese Maßänderungen auf. Hält das verwendete Klebstoffsystem diese Maßänderungen nicht auf, werden diese wirksam.

Zwischen verschweißter und unverschweißter Ware weisen die zulässigen Toleranzen eine Differenz von 0,15 % = 1,5 mm auf einen Meter auf.

Da in der Regel das verwendete Klebstoffsystem unabhängig von einer thermischen Verschweißung das gleiche sein kann, stellt sich die Frage: Muss / kann die thermische Verschweißung (oder Kaltverscheißung) diese 0,15 % Maßänderung (Schrumpf) aufhalten?

Und vielleicht auch dann noch, wenn eventuell Weichmacher aus dem Bodenbelag in den verwendeten Dispersionsklebstoff abwandern und für zusätzlichen Schrumpf sorgen?

Der Verfasser bezweifelt dies!

Und sagt nicht die DIN 18365 „Bodenbelagarbeiten“: Kunststoffbeläge sind unverschweißt zu verlegen!

Wenn ein PVC – Bodenbelag schrumpft, dann geschieht dies ohne Rücksicht auf eine stattgefundene Verschweißung!

Aber in einem gewissen Maße wirkt eine fachgerechte thermische Verschweißung doch den Maßänderungen des Bodenbelages entgegen.

Was ist bei einer fachgerechten thermischen Verschweißung zu beachten?

Die Fräsbreite muss der PVC – Schweißschnur entsprechen, üblicherweise werden 4 mm Schweißschnüre verwendet, die Fräsbreite entspricht hier in etwa 3,3 mm (handelsübliche Fräsen weisen diese Fräsbreiten / Fräsblätter auf).



Die Frästiefe beträgt 2/3 der Belagstärke, bei 2 mm Bodenbelag also 1,3 mm! Oft wird zu wenig ausgefräst oder bis in den Untergrund, eine optimale Auflage und Flankenhaftung der Schweißschnur zum Bodenbelag ist dann nicht mehr gegeben.
Einstellungen der Frästiefe vor Beginn unbedingt prüfen!

Grundsätzlich zunächst unter Verwendung des Schlittens die Schweißschnur nur teilweise abstoßen!

Erst im zweiten Arbeitsgang nach dem Erkalten wird die PVC – Schweißschnur bündig abgestoßen, um ein späteres „Absacken“ der Schnur durch die Abkühlung zu vermeiden.


Bewährt hat sich jedoch vor allem das Verschweißen mit der Rolle, hierbei wird der notwendige Anpressdruck erzeugt, um eine gute und dauerhafte Arretierung / Verbindung zwischen Schweißschnur und Bodenbelag zu erzielen.


Schweißtemperatur und Schweißgeschwindigkeit müssen aufeinander und auf den Bodenbelag abgestimmt sein!
Eine sichere und zuverlässige Alternative – vor allem auf großen Flächen – ist ein Schweißautomat!


100 % gibt es bei handwerklichen Leistungen nicht!

Die Naht / Fuge wird immer der Schwachpunkt der Fußbodenkonstruktion sein und bleiben!

Eine handwerkliche Verbindung / Verschweißung wird nie zu 100 % so sicher sein, wie dies bei dem homogenen Bodenbelagmaterial der Fall ist.

Das Foto 10 zeigt Flankenabrisse durch Fehlfräsungen

Das Foto 11 zeigt einen mittigen Abriss innerhalb der PVC – Schweißschnur, durch einen Materialschrumpf des Bodenbelages bedingt. Die Flankenhaftung der PVC – Schweißschnur zum Bodenbelag hingehend war hervorragend.


Fazit:

Auch wenn Bodenbeläge die Anforderungen an das Maßänderungsverhalten nach Wärmeeinwirkung gemäß EN 434 erfüllen und handwerklich ansprechende thermische Verschweißungen vorliegen sind aus Sicht des Verfassers Fugenbildungen und Flankenabrisse der Schweißschnur im Nahtkantenbereich nicht immer vermeidbar. Einflüsse wie Migrationen, Weichmacherwanderungen, Reinigungen etc. sind zusätzlich zu berücksichtigen.

Letztlich stellt sich die Frage:

Sind Schrumpfungen von PVC – Bodenbelägen materialspezifisch unvermeidbar oder hat allein die handwerkliche Leistung Einfluss hierauf?

Welche Rolle spielt hierbei das verwendete Klebstoffsystem.

Aus Sicht des Verfassers können auch fachgerechte, thermische Verschweißungen diese Maßänderungen und Fugenbildungen nicht immer vermeiden.

Allein eine Prüfung des Maßänderungsverhaltens des Bodenbelages nach Wärmeeinwirkung gemäß DIN EN 434 entscheidet noch nicht, ob allein die handwerkliche Leistung verantwortlich für Fugenbildungen und Flankenabrisse ist.

Auch bei einem Einhalten der zulässigen Toleranzen kommt es oft zum Schrumpf des Bodenbelages, durch Materialspannungen, Weichmacherentzug und andere äußere Einwirkungen welche nicht zwangsläufig der Auftragnehmer Bodenbelagarbeiten zu vertreten hat.

Der Autor dieses Fachbeitrages ist der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für das Raumausstatterhandwerk und Bodenlegergewerbe Torsten Grotjohann, Kooperationspartner der iff-Gutachter Heuer - Marth & Partner

Erstellt: 27.07.2003/iff-Grotjohann


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