Der folgende Beitrag wurde vom
Institut für Fußbodentechnik
erarbeitet und uns zur Verfügung gestellt.
Heterogene PVC Gestaltungsbeläge richtig kleben - ein Risiko?
Elastische Bodenbeläge werden in der Praxis in aller Regel vollflächig verlegt/geklebt. Hierfür werden sowohl aus technischer als auch aus ökologischer Sicht Dispersionsklebstoffe empfohlen. Dies gilt für unterschiedlichste Belagtypen, wie Linoleum, Polyvinylchlorid (PVC), Kautschuk oder auch chlorfreie Kunststoffbeläge. Speziell bei den hinsichtlich der Klebeeigenschaften als unkompliziert geltenden PVC-Bodenbelägen - insbesondere mehrschichtige Gestaltungsbeläge - kam es jedoch in letzter Zeit vermehrt zu Problemen hinsichtlich Maßänderungen. Die Folge sind Fugenbildungen, welche vom Endverbraucher so nicht immer akzeptiert/toleriert werden. Zum Vergleich hier einige Beispiele für Maßänderungen von elastischen Bodenbelägen:

Folgende materialspezifische Eigenschaften von PVC sind zu beachten: Thermoplastische Kunststoffe haben vorwiegend fadenförmige Makromoleküle. Ihre Molekülketten sind thermisch zu beeinflussen, d. h. Thermoplaste sind warm verformbar. Aus diesen materialspezifischen Eigenschaften resultiert die Tatsache, daß PVC-Bodenbeläge - wie viele andere Materialien auch - auf Temperaturänderungen mit Maßänderungen reagieren. Weiterhin ist die besondere Konstruktion von heterogenen PVC-Designbelägen von Bedeutung. Es handelt sich um mehrschichtige, laminierte Produkte, welche in der sogenannten „Sandwich-Methode“ hergestellt werden. Diese teilweise unterschiedlichen Schichten können das Maßänderungsverhalten des Bodenbelages zusätzlich ungünstig beeinträchtigen. Mit dem Bodenbelag, dem Untergrund und der Art der Nutzung/dem Verwendungszweck kommt der Auswahl des Klebstoffs besondere Bedeutung zu. Sind moderne Klebstoffe „Alleskönner“? Was muß ein Klebstoff eigentlich können bzw. welche Eigenschaften sollen möglichst erfüllt werden? · emissionsarm · lösemittelfrei · gut/leicht zu verarbeiten · hohe Anfangshaftung · hohe Festigkeit · geruchsneutral · „kein“ Eindruckverhalten · feuchtebeständig · frostbeständig · weichmacherbeständig · als Haftkleber einsetzbar · als Naßkleber einsetzbar · und last but not least „preiswert soll er sein“ In der Praxis haben sich in den letzten Jahren die sogenannten Haftklebstoffe durchgesetzt, da diese Dispersionsklebstoffe sehr vielseitig einsetzbar sind und dem Verarbeiter eine „angenehme“ lange Einlegezeit bieten. Jedoch sind diese Technologien hinsichtlich der Verarbeitung von Dispersionsklebstoffen nicht immer ganz unproblematisch, wie sich in der Praxis leider oft zeigt. Ursache für diese Fugenbildungen sind Maßänderungen des Bodenbelages - zum Teil Wochen/Monate nach der Verlegung. Aus der Sicht des Autors gibt es 3 entscheidende Faktoren für die Vermeidung/Einschränkung dieser negativen Sachverhalte: 1. Der Bodenbelag Dieser sollte grundsätzlich den Anforderungen der geltenden Normen (EN 649) entsprechen und ein Maßänderungsverhalten von < 0,25 % (Prüfung gemäß EN 434) aufweisen. Je geringer das Maßänderungsverhalten des Bodenbelages - desto geringer das Risiko nach der Verlegung ! Außerdem sind „klebefreundliche“ Belagrücken ohne Trennmittel erforderlich. 2. Der Klebstoff Die DIN 18 365 „Bodenbelagarbeiten“ sagt hierzu aus: „Klebstoff müssen so beschaffen sein, daß durch sie eine feste und dauerhafte Verbindung erreicht wird. Sie dürfen Bodenbelag, Unterlagen und Untergrund nicht nachteilig beeinflussen und nach der Verarbeitung keine Belästigung durch Geruch hervorrufen.“ Aus der Erfahrung heraus sind Naßklebungen von Design-Bodenbelägen auf gespachtelten Untergründen (> 2 mm) sicherer als Haftklebungen. Das Handling ist jedoch bei einem abgelüfteten Klebstoff leichter. Aus diesen Gründen hat sich ein Einlegen des Belages innerhalb der sogenannten „Takphase“ bewährt, also in das halb abgelüftete Klebstoffbett. Diese Vorgehensweise sichert zum einen eine optimale Benetzung der Belagrückseite mit Klebstoff, zum anderen aber auch ein praxisgerechtes Handling bei der Verlegung. Eine ausreichende Benetzung der Belagrückseite mit Klebstoff ist Voraussetzung für eine fachgerechte und funktionsfähige Klebung. Klebstoffbenetzung der Belagrückseite nach dem Einlegen in der Takphase:
Ratsam ist die Wahl eines Klebstoffs mit einer möglichst harten Klebstoffuge, um evtl. spätere Maßänderungen möglichst sicher auffangen zu können. Zu diesem Zweck ist es notwendig, den jeweiligen Klebstoffhersteller zu kontaktieren und eine entsprechende Empfehlung einzuholen. Wichtig für die Beurteilung des Klebstoffs sind sowohl die entsprechenden Schälzugfestigkeiten als auch die Zugscherfestigkeiten. Die Bestimmung des Schälwiderstandes ist nicht neu und gibt Aufschluß über die notwendige Kraft zum Abschälen geklebter Proben senkrecht zur Klebefuge, der Schälwiderstand wird hierbei in N/mm angegeben. Wie wichtig ist die Zugscherfestigkeit von Dispersionsklebstoffen? In letzter Zeit wird jedoch aus aktuellem Anlaß auch bei elastischen Bodenbelägen über die Ermittlung der Zugscherfestigkeit nachgedacht. Neben Prüfungen unter Berücksichtigung der DIN 16 860 und dem sogenannten „Tarkett-Test“ sind auch Prüfungen in Anlehnung an die DIN 281 denkbar. Diese Prüfmaßnahmen geben entscheidende Hinweise über Zugscherfestigkeiten der Klebungen. Zugscherfestigkeiten werden in N/mm² angegeben. Nach DIN 16 860 werden Zugscherfestigkeiten von > 0,3 N/mm² vorgegeben. In der Praxis stellt sich die Frage, ob diese Anforderungen hinsichtlich der Zugscherfestigkeiten immer ausreichen. Schälzugfestigkeiten von > 1,0 N/mm sind eine notwendige Forderung und erfahrungsgemäß Voraussetzung für eine feste und dauerhafte Klebung. 3. Der Verleger Der Verleger ist für die Wahl des richtigen Klebstoffs und der richtigen Verlegetechnologie verantwortlich. Er entscheidet, ob er im Naßklebe- oder Haftklebeverfahren arbeitet oder mit anderen Worten, ob er in das feuchte oder abgelüftete Klebstoffbett einlegt. Wichtig ist, der Bodenbelag erhält auf der Belagrückseite die bestmögliche Benetzung mit Klebstoff. Unzureichende Benetzung der Belagrückseite mit Klebstoff nach dem Einlegen des Bodenbelages in der Haftklebephase:
Nachträgliche Verfugungen von Gestaltungsbelägen sind technisch möglich und können die Wertschöpfung/Werterhaltung auf Dauer gesehen gewährleisten:
Der optische Geltungsnutzen der Bodenbelagebene ist jedoch in jedem Fall beeinträchtigt. Grundsätzlich ist zu beachten, daß sogenannte Naßklebeverfahren nur auf mindestens 2 mm gespachtelten Untergründen einzusetzen sind. Auf dichten, nicht saugenden Untergründen bleibt nur die Möglichkeit der Verlegung im Haftklebeverfahren.
Der Autor dieses Fachbeitrages ist der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für das Raumausstatterhandwerk und Bodenlegergewerbe Torsten Grotjohann.
Erstellt: 27.07.2003/iff-Grotjohann
Diese Links und Funktionen, werden für www.bodenleger-berlin.de angeboten:
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