Der folgende Beitrag wurde vom
Institut für Fußbodentechnik
erarbeitet und uns zur Verfügung gestellt.
Offene Fugen in einer Polyvinylchloridbodenbelagebene ein Mangel?
Polyvinylchloridbodenbeläge, abgekürzt PVC-Bodenbeläge, werden
aufgrund ihrer materialspezifischen Eigenschaften, insbesondere der hohen
Strapazierfähigkeit sowie die Vielzahl der gestalterischen Möglichkeiten in
untschiedlichen Einsatzbereichen verwendet/verlegt. Insbesondere bei homogenen
PVC-Bodenbelagmaterialien in Form von Platten und Bahnen empfehlen die
Hersteller die Nahtkantenbereiche mit einem systembezogenen Schweißdraht zu
verschweißen. Die Nahtkantenbereiche können mit einem systembezogenen
Schweißdraht verschweißt werden, damit:
1. keine Flüssigkeiten und Reinigungsdetergenzien in die Nahtbereiche eindringen
und das Dispersionsklebstoffbett nachteilig beeinflussen.
2. die verlegte Bodenbelagebene den, insbesondere in Krankenhäusern, gestellten
erhöhten Anforderungen hinsichtlich der Hygiene gerecht wird.
3. das Dimensionsänderungsbestreben des PVC-Bodenbelagmaterials, resultierend
aus einer evtl. Weichmacherabgabe, nicht schadhaft wirksam werden kann.
4. die materialspezifischen Eigenschaften hinsichtlich des
Maßänderungsbestrebens gemäß DIN EN 649 nicht wirksam werden können.
Die materialspezifischen Eigenschaften von homogenen und heterogenen
Polyvinylchloridbodenbelägen sind in der DIN EN 649 „Elastische Bodenbeläge -
Homogene und heterogene Polyvinylchlorid-Bodenbeläge; Spezifikation“ festgelegt.
Die vorgenannte DIN EN-Norm weist neben den zulässigen Toleranzen bezüglich der
Längen- und Breitenangabe sowie Rechtwinkligkeit, Gesamtdicke und Resteindruck
auch die zulässigen Toleranzen hinsichtlich des Maßänderungsverhaltens nach
Wärmeeinwirkung aus. Die Prüfmaßnahme hinsichtlich des Maßänderungsverhaltens
nach Wärmeeinwirkung wird gemäß EN 434 durchgeführt. PVC-Bodenbelagbahnen und
-platten, die zum Verschweißen vorgesehen sind, müssen hinsichtlich des
Maßänderungsverhaltens den definierten Mindestanforderungen von < 0,4 % und
Platten, die für Verlegung im Trockenfugenverfahren vorgesehen sind, also
unverschweißt verlegt werden, einer Mindestanforderung von < 0,25 % entsprechen.
Vorgenannte Mindestanforderungen bedeuten, daß eine PVC-Bodenbelagbahn mit einer
Breite von 200 cm im unverlegten Zustand eine Maßänderung < 0,8 cm/8 mm
einhalten muß. Damit das materialspezifische Maßänderungsverhalten/Bestreben
des PVC-Bodenbelagmaterials im verlegten/geklebten Zustand nicht schadhaft
wirksam werden kann, werden PVC-Bodenbelagbahnen und
-platten nach der Verlegung überwiegend im Nahtkantenbereich mit einem
systembezogenen Schweißdraht verschweißt. Bei sach- und fachgerechter Ausführung
wird zwischen PVC-Bodenbelagmaterial und systembezogenem Schweißdraht eine feste
und dauerhafte Verbindung erreicht. Insbesondere im Krankenhausbereich ist
aufgrund der Anforderungen hinsichtlich der Krankenhausprophylaxe ein dichter
und fugenfreier Bodenbelag erforderlich, damit sich keine Krankheitserreger in
den Fugenbereichen vermehren können. Aufgrund der vorgenannten Situation wird
durch offene Fugen die Nutzungs- und Gebrauchstüchtigkeit einer
PVC-Bodenbelagebene im Krankenhausbereich erheblich beeinträchtigt.
Der besondere Fall
Im nachfolgend beschriebenen Fall hat ein Auftragnehmer für Bodenbelagarbeiten
auf einer Fläche von mehreren 1000 m² ein homogenes PVC-Bodenbelagmaterial in
Bahnen mit einer werkseitigen PU-Oberflächen-vergütung vollflächig
verlegt/geklebt und im Nahtkantenbereich mit einem systembezogenen Schweißdraht
verschweißt. Nach einer mehrjährigen Nutzung rügte der Bauherr offene
Fugenbereiche und Abrißfugen sowie das Herauslösen des Schweißdrahtmaterials
gegenüber dem Auftragnehmer. Die gutachterliche Überprüfung der genannten
PVC-Bodenbelagebene zeigte, daß auf der Gesamtgrundrißfläche von mehreren 1000
m² die Nahtkantenbereiche/Nahtbereiche der aneinandergrenzenden
PVC-Bodenbelagbahnen in unterschiedlicher Intensität Abrißfugen des
systembezogenen Schweißdrahtes aufwiesen.
Worauf sind die offenen Fugen und Abrißfugen zurückzuführen?
Die visuelle Überprüfung der Nahtkantenbereiche zeigte bereits, daß
anwendungstechnische Problemstellungen hinsichtlich der Verarbeitung des
PVC-Schweißdrahtes vorlagen. Zum einen hatte der Auftragnehmer die
Nahtkantenbereiche bis zum Klebstoffbett aber auch bis in die
Spachtelmassenschicht aufgefräst. Weitergehend war festzustellen, daß der
PVC-Schweißdraht meistens nur im oberen Flankenbereich einen Haftverbund zu dem
PVC-Bodenbelagsbahnenmaterial aufwies. Die elypsenförmigen Fugen über
verschiedene Teilflächenbereiche ließen den Rückschluß zu, daß in den
Teilflächenbereichen, in denen ein ausreichender Haftverbund/eine Verschweißung
des systembezogenen Schweißdrahtes zu den Flanken des PVC-Bodenbelagmaterials
hingehend vorlag, keine Maßänderung des Bodenbelagmaterials stattgefunden hat.
In den Teilflächenbereichen, in denen keine Fugen vorlagen, wies der
PVC-Schweißdraht einen festen Verbund zum PVC-Bodenbelagmaterial auf. In den
Teilflächenbereichen, in denen die beschriebenen elypsenförmigen Fugen vorlagen,
wies der PVC-Schweißdraht im unteren Bereich die produktionstechnische
Oberfläche und Formgebung auf. Eine Flankenhaftung lag nur im oberen
Bereich/Kantenbereich vor. Die im Bauvorhaben festgestellten Sachverhalte ließen
eindeutig den Rückschluß zu, daß anwendungstechnische Problemstellungen als
schadensursächlich für die hier in Rede stehenden Flanken- und Fugenabrisse
sowie Auslösungen des PVC-Schweißdrahtes anzusehen sind. Da in den
Teilflächenbereichen, in denen eine funktionsgerechte Verschweißung des
PVC-Bodenbelagmaterials vorlag, keine Fugen zu konstatieren waren konnte keine
Schadensursächlichkeit des PVC-Bodenbelagmaterials abgeleitet werden. Da durch
die genannten/beschriebenen offenen Fugen die PVC-Bodenbelagebene im Hinblick
auf die hygienischen Anforderungen in dem hier in Rede stehenden Objekt
beeinträchtigt war, war es erforderlich, auf einer Gesamtgrundrißfläche von
mehreren 1000 m² die PVC-Schweißnähte sach- und fachgerecht nachzuarbeiten, d.
h. neu zu verschweißen.
Besonderer Hinweis für die Verschweißung von PVC-Boden-belagmaterial.
Gemäß den allgemein anerkannten Regeln des Fachs und dem Stand der Technik ist
vor dem Verschweißen der Nahtbereiche eine ausreichende Abbindephase des
Klebstoffsystems einzuhalten, damit das Dispersionsklebstoffbett durch die
Hitzeeinwirkung des Schweißvorganges nicht nachteilig beeinträchtigt wird. Das
Auffräsen der Nahtkanten ist mit einem auf den Schweißdraht abgestimmten
Fräsblatt durchzuführen. Die Frästiefe sollte max. 2/3 der Belagsdicke betragen.
Vor der Verarbeitung des systembezogenen Schweißdrahtes sind die elektrischen
Schweißgeräte hinsichtlich der Funktionalität zu überprüfen und etwaige
Feinluftsiebe zu reinigen, da oftmals anwendungstechnische Problemstellungen auf
nicht gewartete und/oder gereinigte Schweißgeräte zurückzuführen sind. Die
Verarbeitung des Schweißdrahtes ist nach den Herstellerangaben durchzuführen.
Bei der Verarbeitung des Schweißdrahtes mit sogenannten Schnellschweißdüsen ist
insbesondere bei PU-oberflächenbehandelten Bodenbelagsmaterialien darauf zu
achten, daß die Schnellschweißdüse einen sehr schmalen Luftaustritt aufweist,
damit die heiße Luft tief in die ausgefräste Nut eingeblasen wird. Hierdurch
wird ein Verkrusten und/oder Verbrennen der Belagsoberfläche vermieden.
Verkrustungen und/oder Verbrennungen der Belagsoberfläche, insbesondere bei
PVC-Bodenbelagmaterialien mit werksseitiger PU-Vergütung sind als irreparabel zu
bezeichnen, da die werksseitige PU-Oberflächenvergütung nachteilig beeinflußt
und ggf. zerstört wird. Versucht der Verarbeiter durch Reduzierung der
Schweißtemperatur und/oder Erhöhung der Verarbeitungsgeschwindigkeit vorgenannte
Verkrustungen/Verbrennungen der Belagskanten zu vermeiden, so reicht die im
Nutbereich einwirkende Temperatur/Heißluft nicht aus, um einen festen und
dauerhaften Verbund des Schweißdrahtes zum Bodenbelagmaterial hingehend zu
erreichen. Fugenabrisse und offene Fugenbereiche sind die Folge.
Resümee
Für die sach- und fachgerechte Verschweißung von PVC-Bodenbelags-bahnen und
-platten mit werksseitiger PU-Oberflächenvergütung sind spezielle
Schnellschweißdüsen unter Beachtung der
Herstellerangaben/Verarbeitungsrichtlinien einzusetzen.
Fotos 1 + 2 zeigen die im Nahtkantenbereich vorliegenden Abrißfugen und offenen
Fugenbereiche.


Die Fotos 3 - 5 verdeutlichen die anwendungstechnischen Problemstellungen hinsichtlich der Verarbeitung des systembezogenen Schweißdrahtes. Der Haftverbund zwischen dem Schweißdraht und den Flanken des Bodenbelagmaterials lag nur im oberen Bereich vor.



Das Foto 6 zeigt einen Teilflächenbereich in dem der PVC-Schweißdraht einen ausreichenden Haftverbund zum PVC-Bodenbelagmaterial aufwies.

Autor dieses Fachbeitrages ist der Berufssachverständige Jürgen Gaberdiel, Kooperationspartner des iff´s, Koblenz
Erstellt: 27.07.2003/iff-Gaberdiel
Diese Links und Funktionen, werden für www.bodenleger-berlin.de angeboten:
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